Slack, Zoom und GoogleDrive – gibt’s da auch was in OpenSource?  

Letzte Woche haben wir Euch mit Nextcloud den Backbone unserer digitalen Tools vorgestellt. Mit einer Filesharing-Plattform alleine lässt sich kein Team organisieren, zu einer zeitgemäßen digitalen Infrastruktur gehört natürlich noch eine Kommunikationsplattform und bestenfalls ein Videokonferenz-Tool, bei dem die NSA nicht mithört.

2. Rocket.Chat

Das Kommunikationskonzept von Slack hat in den vergangenen Jahren viele überzeugt und  Interner E-Mail-Verkehr mit zahlreichen Empfängern im CC oder Vorgesetzten im BCC gehört seitdem für viele Organisationen der Vergangenheit an und sogar bei Microsoft wurde intern teilweise über Slack kommuniziert. Doch trotz innovativen Kommunikationskonzept hielt Slack nur kurz Einzug in die Microsofts Firmenzentrale und landete schnell auf der Liste verbotener Services im Technologie-Konzern[1]. Grund dafür war wohl nicht nur die Inhouse-Alternative Microsoft Teams, sondern auch die Gefahr der Wirtschaftsspionage – es ist nicht immer sinnvoll den eigenen Entwicklungsprozess auf den Servern der Konkurrenz zu organisieren. Da wir leider nicht Microsoft sind und uns einfach eine eigene Alternative zu Slack programmieren können, haben wir uns umso mehr gefreut, als mit Rocket.Chat eine Open-Source-Alternative auf den Markt kam.

Seit einigen Monaten nutzen wir nun auch die Vorteile eines modernen Team Chat mit Channels, Diskussionen und nervigen Erwähnungen durch fleißige Kollegen. Von den zahlreichen Apps und individualisieren haben wir bisher wenig Gebrauch gemacht, aber natürlich ist Verbindung mit der Nextcloud ist schon eingerichtet. Unsere Lieblings-App ist und bleibt aber die Integration unseres dritten OpenSource-Tools – dem Jitsi Videochat.

3. Jitsi

Das wohl heißeste IT-Thema der letzten Monate im Homeoffice war, neben den zahlreichen Modellen für Corona-WarnApps, wohl das Thema Videoconferencing und der Datenschutz. In Berlin warnten Datenschutzbeauftragte vor der Nutzung nahezu aller Plattformen hinter denen US-Firmen stehen und der Anbieter Zoom wurde von dem Privatsphärebedürfnis seiner neuen Nutzer so überrascht, dass es geplanten Funktionserweiterungen der Plattform eingestellt wurde und alle Ressourcen in den (überfälligen) Schutz der Chaträume gesteckt wurden[2].

Die Stadt Brühl hat schnell erkannt, dass es bei den bestehenden Anbietern Probleme mit dem Datenschutz geben könnte, wenn alle Unterrichtsstunden und damit Namen, Gesichter und Stimmen aller Schülerinnen und Lehrerinnen unverschlüsselt über den Atlantik geschickt werden. Anders als die Berliner Datenschutzbeauftragte[3], hat die Stadt Brühl aber sofort eine Lösung präsentiert und mit der Installation einer Jitsi-Instanz dafür gesorgt, dass die Schuldaten nicht die Stadt(server) verlassen[4]. Zwar kann der Funktionsumfang von Jitsi noch nicht mit den proprietären Konkurrenten mithalten, dafür wissen wir wer (nicht) mithört und der offene Quellcode erlaubt die Individualisierung und Einbindung in bestehende Infrastrukturen. Wir starten unsere Jitsi-Calls zum Beispiel ganz einfach aus dem Rocket.Chat-Channel.

Fazit

Die Frage: „Gibts da auch was in OpenSource?“ kann für zahlreiche Tools heutzutage mit einem klaren Ja beantwortet werden. Der wohl größte Vorteil ist der Rückgewinn der Kontrolle über die eigenen Prozesse. Der offene Quellcode zeigt uns ganz genau, was die Software macht und ermöglicht die Individualisierung und Funktionserweiterung – ganz unabhängig von den Entscheidern in Firmenzentralen im Silicon Valley. Durch das Hosten auf den eigenen Systemen erspart man sich gleichzeitig viel Ärger mit dem Datenschutzbeauftragten und kann jedem Urteil des EuGHs zum Privacy-Shield mit einem Lächeln begegnen.

Interesse?

Wir beraten und unterstützen Euch gerne auf dem Weg in die digitale Souveränität. Neben Installation und Administration der Services auf eigenen Systemen, übernehmen wir auch gerne das Hosting für kleinere Unternehmen ohne eigene Hardware-Infrastruktur. Schreiben Sie uns einfach eine Mail an  oss@bitkomplex.de oder ruf uns unter 030 – 5490 7642 an.

Noch mehr OpenSource-Alternativen sortiert nach Tool findet ihr unter https://opensource.builders/.


[1]https://www.geekwire.com/2019/no-slack-microsoft-puts-rival-app-internal-list-prohibited-discouraged-software/

[2] https://blog.zoom.us/wordpress/2020/04/01/a-message-to-our-users/

[3] https://www.datenschutz-berlin.de/fileadmin/user_upload/pdf/orientierungshilfen/2020-BlnBDI-Empfehlungen_Videokonferenzsysteme.pdf

[4] https://buehl.de/digitalisierung/Palim-Palim   

Autoren

  • Konrad Greilich.

    Konrad hat in Berlin und Tel-Aviv Rechtswissenschaften studiert und promoviert derzeit über SmartContracts in der Unternehmensleitung.

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